Die Geschichte des ETF

Wir schreiben den 11. April des Jahres 2000. Jan Altmann sitzt erschöpft -aber euphorisch- an seinem Computer im Hause der Deutschen Börse in Frankfurt. Dabei gab es für Euphorie eigentlich keinen Anlass : Die erhoffte Aufbruchstimmung durch das viel beschworene Millennium ist bislang ausgeblieben. Stattdessen ist immer noch Wunden lecken angesagt; Das Platzen des „Neuen Marktes“ hat größere Spuren hinterlassen, wie zunächst gedacht. Der optimale Zeitpunkt für eine neue Idee sieht anders aus. Und dennoch : nach monatelangen 14- Stunden – Tagen ist es soweit : die ersten beiden Fonds einer völlig neuartigen Gattung mit dem Namen „Exchange Trade Funds“ können in Europa in den Handel starten. Das sind direkt an der Börse handelbare Fonds, die ein „Börsenbarometer“ einer bestimmten Region- den Index- nachbilden: z.B. den deutschen Aktienindex (DAX) , den Eurostoxx oder was auch immer. Der Begriff vom „passiven Investment“ war geboren, weil dieser Index ja schon da war, und nicht erst zusammengestellt werden musste, wie beim Gegenstück dazu, dem „aktiven Investment“.

Die Begeisterung von Altmanns Chef für die Idee seines Mitarbeiters hält sich allerdings in Grenzen. “ Das ist nicht wichtig, das braucht man nicht, mach mal was anderes“, hatte er ihm im Vorfeld wenig motivierend mit auf den Weg gegeben. Wie so viele damaligen Zeitgenossen war sein Vorgesetzter auf den neuen Markt fokussiert, der doch bald wieder boomen sollte. War ja nur noch eine Frage der Zeit. Doch Altmann blieb hartnäckig, er entwickelte das erste Handels- und Listing Segment für die „Exchange- Trade – Funds“ in Europa. Das er damit eine Revolution in der Geldanlage auslösen würde, konnte sich seinerzeit kaum jemand vorstellen. Aufgrund des etwas sperrigen Namens wurde der Kategorie kuzerhand das Kürzel „ETF“ verpasst, unter dem sie heute quasi jedes Kind kennt.

Inzwischen sind aus den 2 in Frankfurt gelisteten ETF-Fonds mehr als 2500 geworden. Das verwaltete Vermögen beträgt über 1,7 Billionen Euro ! Jedoch war der Weg von der belächelnden Nische zum Milliardenmarkt zunächst alles andere als eine Überholspur. Es war mitnichten so, dass den Anbietern die Türen eingerannt wurden, es musste wahnsinnig viel Überzeugungsarbeit geleistet werden. Große Teile der Fondsbranche bekämpften die Emporkömmlinge anfangs sogar, erinnert sich Altmann. An Privatpersonen wurde erst einmal nicht gedacht, weil sich niemand vorstellen konnte, dass diese darin investieren würden. Das Umdenken kam erst Jahre später, was zu einem spürbaren Wachstum führte. Der Durchbruch setzte 2014 ein, von da an gab es Sparpläne für die neue Kategorie. Die Anzahl der Sparpläne stieg von 200.000 im Jahre 2014 auf knapp 9,5 Millionen im Jahre 2024.

Heute entwickelt sich nun die nächste Stufe dieser seinerzeit neuartigen Idee : der ETF wird aktiv. Weg von der bloßen Nachahmung eines Index- hin zu einer aktiven Strategie, wo die Wertpapiere nach analytischen Gesichtspunkten zusammengestellt werden, somit verschwimmen die früheren Unterschiede zwischen aktiv und passiv geradezu. Der Grundsatz „die Mischung macht‘ s “ ist auch  in diesem Segment angekommen. Entscheidend ist sowieso ob ein Fonds gut/schlecht, teuer oder billig ist, und vor allem welche Inhalte er hat- nicht so sehr ob aktiv oder passiv.